Eine christliche Erzählung – Hingabe

Hier ein in die Jahre gekommener Ausschnitt aus einer Erzählung.

Arbeitstitel: „Hingabe“
Genre: introspektive, spirituelle, religiöse Erzählung, moderne Erbauungsliteratur

Diese Erzählung lebt von der Betrachtung einer bewegten Vergangenheit. Ein junger Autor spricht von schweren Jahren, einer gespenstischen Jugend und den Wegen Gottes. Zwischen Glaube, Fluch und Hingabe beschreibt er das vergangene Jahrzehnt. Eine Indienreise, Wahn, Therapie und Jesus verdichten sich zu einer Entscheidung für die Liebe.

…Er schreckte auf. Ein Vogel war gegen das Küchenfenster geflogen, fiel zu Boden, zuckte und blieb regungslos liegen. Dieser Tod passte sich in den trüben Herbsttag ein wie das letzte Teil eines Puzzles. Horeb sah durch den Nebel hinaus, in den Schwarzwald. Das Gut, auf dem er lebte, lag wie ein weinender Mann im Regen. Das verkommene Anwesen schlief einen Dornröschenschlaf. Efeu bewuchs die Gebäude. Die Witterung hatte das Gemäuer angefressen. Nachts streunte Wild hindurch. Die Fenster waren zersplittert. Die Mauern lagen tief in der Zeit gebettet, wie versunkene Fantasien. Horeb lebte in zwei instand gesetzten Räumen. Es gab weitere, verlassene. Er bewohnte eine Wohnküche und ein Schlafzimmer. Zwei Tatamis und eine Futon-Matratze bildeten seine Schlafstätte. Ein Orient-Teppich war auf dem Boden ausgelegt. Er hatte einen kleinen Altar errichtet. Ein niedriger Tisch, darauf eine Jesus-Ikone, Räucherwerk und ein Strauß rote Rosen. Hier hätte er beten können. Doch kaum kamen Bitten über seine Lippen. Das letzte Wort, das er Gott entgegen geworfen hatte, war eine Anklage, war unverblümter Zorn.
Jede Ecke des Gutes schrie nach Unrecht. Wenn Horeb seine Wohnung verließ, erreichte er durch ein Tor eine große Garage. Er hatte eine Ballettstange angebracht. Tänzer hätten sich dort dehnen können. Wie ein Relikt seines Lebenstraumes, eine Anklage und ein letztes Ja zum Leben war sie angebracht.
Etwas entfernt lag eine bröckelnde Kapelle. Sie hätte eine Marienkapelle sein können. Eine zeitlose Betrachtung eines eingefrorenen Traumes. Wenn er ringsum in die Bewaldung sah, stäubte der Nebel hinauf zum Himmel. Die Schwarzweiß-Fotografie eines kalten Regenwaldes, die er Gott entgegen reichte. Er sah hinaus und der Regen tropfte wie eine zerrissene Perlenkette am Fensterrahmen hinab. Ein Bach rauschte. Eine Melodie. Mehr noch: eine Symphonie, eine Komposition aus Erinnerungen und Vergangenem. Die Küchenuhr war stehengeblieben. Horeb nahm es hin. Er betrachtete sie wie ein Kunstwerk. Fast sah er sie zerfließen, wie die Uhren Dalìs.
Horeb saß am Tisch, trank gesüßten Pfefferminztee und rollte eine Zigarette. Der Tee, ein Aschenbecher und eine leere Weinflasche mit einer Kerze darin standen auf dem Küchentisch. Es dämmerte und er zündete die Kerze an. Es war Platz für weitere Menschen. Doch er lebte allein auf dem Gut. Er lebte kostenfrei. Ein befreundeter Adeliger stellte ihm die Räume zur Verfügung. Horeb legte Holz nach. Eine Ausgabe des Spiegels lag beim Ofen: Georg W. Bush auf dem Titelblatt. Eine zerlesene Ausgabe. Horeb hörte 13&god…

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