Innenansicht einer mennonitischen Freikirche – Historie

David würde in eine Gemeinde der Evangelischen Täuferbewegung eintreten. Dieser Bund, die Täufergemeinden hatten ihre Wurzeln in der Reformationszeit im 16. Jahrhundert in der Schweiz. Noch heute bestehen die meisten Gemeinden dort. Auch wenn sich diese Freikirche weltweit ausgebreitet hat. Schnell schon waren die Neutäufer oder auch Altmennoniten genannten Verfolgung ausgesetzt. Im Zuge der Reformation hatten sie ein neues Verständnis vom Wesen des Christentums. Christi Nachfolge. Sie kritisierten die Allianz von Kirche und Obrigkeit und waren auf Grund ihres Schriftverständnisses, ihrer Auffassung des Evangeliums und ihrer Ethik der Wehrlosigkeit Repressionen ausgesetzt. Trotzdem breitete sich die Bewegung vorerst rasch quer durch Europa aus. Die Gläubigen wurden und werden auch heute noch als „Mennoniten“ bezeichnet. Gesellschaftlich waren sie zunehmend abgesondert und isoliert. 1693 führten Konflikte innerhalb der Täuferbewegung zur Entstehung der Amischen, die bis heute eine dem Fortschritt abgewandte Lebensweise pflegen. Vor allem in den USA. Durch die intensive Verfolgung des Täufertums waren diese bis 1700 fast völlig ausgemerzt. Erst mit der Aufklärung und der Französischen Revolution ließ der äussere Druck etwas nach.
Für David war es spannend einer solchen Bewegung anzugehören. Der Gründer der ETG war Samuel Heinrich Fröhlich. Ein Pfarrer im Aargau, dessen Haltungen und erwecklichen Predigten führten schnell zu seiner Entlassung. Als er 1857 starb hatte er 30 Gemeinden im Elsass, Süddeutschland und der Schweiz gegründet. Zudem hatte sich die Bewegung nach Osteuropa , Südamerika und die USA ausgebreitet. Nach weltweiter Spaltungen um 1906 wandelten sich die Täufer. In einer Phase des Aufbruchs von 1950 bis 1984 war die Bewegung mit den Folgen des zweiten Weltkrieges konfrontiert. Das Flüchtlingselend forderte die ETG heraus. Ein Missionsdienst wurde gegründet. Die Jugendarbeit begann. Die erste Festanstellung von Mitarbeitern fand statt. 1985 wurde der Gemeindebund der evangelischen Täufergemeinde gegründet.
David selbst war, nach seiner Bekehrung in Berlin bei einer ETG Gemeinde am Bodensee gelandet. Er fand sich zur Arbeit in der Landwirtschaft hingezogen und knüpfte Kontakt zu einem frommen Bauer, der in die Kirche Lindenwiese ging. David arbeitete dort eine Weile auf dessen Hof.
Auch die Wurzeln dieser Gemeinde lagen in der Landwirtschaft. Denn 1843 bekehrte sich ein Landwirt und ein kleiner Kreis von Gläubigen tat sich zusammen. Es wird von gemeinsamem Bibellesen im Pferdestall und langen Fußmärschen zum Gottesdienst berichtet. Die Täufer trafen sich dann um 1928 in kleineren Dörfern. 1960 hatte ein weiterer Landwirt die Vision eines Gemeindehauses, das 1972 fertiggestellt wurde. Von 1992 an befand sich die Gemeinde im Aufschwung. Pastoren wurden angestellt und die Anzahl der Gottesdienstbesuch stieg mit den Jahren. Ein größerer Gottesdienstsaal wurde angebaut. Die Gemeinde so wie sie jetzt ist entstand. Zeitgemäß und wachsend.
David selbst kannte die Lindenwiese seit fünfzehn Jahren. Seit ungefähr zehn Jahren ging er regelmäßig dorthin. Seit einigen Monaten nahm er an christlichen Kursen und Treffen teil. Jahrelang war sein Glaubensleben auf den Sonntagsgottesdienst beschränkt gewesen. Doch die Gemeinde hatte Angebote, die darüber hinausgingen. Es gab eine lebendige Gemeinschaft. Es hatte auch Zeiten gegeben, da sich Davis abgewandt hatte. Sein Glaubensleben war verkümmert. Seit einigen Monaten hatte es sich wieder intensiviert. Der Gemeindeeintritt sollte folgen. Irgendwie freute sich David darauf. Gläubige der Bewegung waren in den Anfängen, vor mehreren hundert Jahren verfolgt und als Häretiker getötet worden. Für ihre Glaubenshaltungen, dem Glauben als Nachfolge Christi, die wir hier in Europa heute ohne weiteres leben können. Sicher, in der Neuzeit war vieles einfacher. Doch auch die Gegenwart brachte seine Schwierigkeiten. Für David war die Gemeinde ehedem schon eine Heimat, die Gemeinschaft mit den Gläubigen dort eine geistige Familie. Brüder und Schwestern im Glauben an den Herrn Jesus Christus. Er fühlte sich wohl dort und jetzt, nach über einem Jahrzehnt des Glaubensleben und Gottesdienstbesuchen, hatte er sich zum Gemeindeeintritt entschlossen. Die letzte Zeit war eine starke Zeit im Glauben gewesen. Er hatte die Heilige Schrift studiert wie nie zuvor. Er hatte sich ausgetauscht und bei christlichen Veranstaltungen eingebracht. Er hatte Vorträge gehört und Predigten. Er hatte Glaubensgespräche geführt und gebetet. Ja, sein Glaubensleben war reicher geworden. Er fühlte sich innerlich gewachsen. Mit Jesus einsgemacht. Mit Gott versöhnt. Er war eine neue Kreatur geworden. Ewige Leben floss in ihm wie lebendiges Wasser. Heilserwartung und Hoffnung waren stark in ihm. Jetzt also die Entscheidung für die Gemeinde.

Schreibe einen Kommentar