Mit Leib und Seele

An diesem Text arbeite ich seit ein paar Monaten. Autobiografisch und authentisch. Ich habe aufgearbeitet was mir die letzte Zeit geschehen ist:

Die vergangenen Wochen waren Johannes eine Last gewesen. Er hatte einige Tage auf dem Sofa liegend verbringen müssen. Nur nach und nach hatte er sich wieder aufgerappelt. Nur nach und nach nahm er wieder Termine wahr. Allmählich, zögerlich, kämpfte er sich zurück ins Leben. Eine Entzündung im Arm und die zu heilende Wunde nach der OP hatten ihn zurückgeworfen. Auch wenn er schon kurz nach dem Krankenhaus den Jüngerschaftskurs besucht hatte, war er eine Weile nicht mehr selbst Auto gefahren. Noch vom orangenen Jod der Krankenhausbehandlung unter der Trainingshose verschmiert, war er zum Treffen gekommen. Abends dann, als er schlafen ging, stellte er fest, dass sich Wundwasser gebildet hatte. Die genähte Wunde fühlte sich noch immer nicht sehr gut an. Die Naht war blutverschmiert. Vielleicht hätte er das Treffen besser ausfallen lassen. Er hatte sich auch nicht wohl gefühlt. Nun, er hatte sich dafür entschieden. Lädiert und mental nicht auf der Höhe.
Inzwischen war die Entzündung abgeklungen und er war weitgehend beschwerdefrei. Seinen Rollstuhl einzuladen bedeutete für ihn noch immer die Gefahr einer weiteren Zerrung. Er hatte viel gelegen. Erinnerungen hatten Raum in seinem Bewusstsein gesucht. Während er lag waren sie aufgestiegen und hatten Platz eingenommen.
Dann hatte er begonnen wieder aktiver zu werden. Er las in der Heiligen Schrift. Eine Woche war seit dem letzten christlichen Treffen vergangen. Johannes ging es besser. Ein weiteres, kleines Tal seines Lebens war durchschritten.
Dann folgte ein Wochenende, an dem der zweite Kurs des Seelsorgeseminars stattfand. Freitag Abend und den ganzen Samstag. In der Tat waren es nun die ersten Tage, da er sich wieder besser fühlte. Doch er schleppte sich durch die Veranstaltung, denn er war gezeichnet von der Operation und dem damit verbundenen Krankenhausaufenthalt.
Der Dozent redete am ersten Abend vom Heiligen Geist und ließ Interessantes verlautbaren. Von der Geistestaufe über die Charismatische Bewegung zur Zungenrede. Von der Geistesgabe der Prophetie sprach er. Vom prophetischen Aspekt, Element des Seelsorgerischen Dienstes. Der Lobpreis bei jener Veranstaltung war geprägt von den Eindrücken der Versammelten, die sich einbrachten. Sie bildeten kleine Gruppen zum Gebet. Sie wollten einheimisch bei Gott sein. Sie wollten im Herrn ihre Wurzeln schlagen. Nicht ausheimisch oder Gott fremd wollten sie sein. Vielmehr wollten sie in Jesus sein. Mit Gott einsgemacht. Geläutert von seinem Feuer. Sie wollten Gott ihre Schwierigkeiten weihen. Ihre eigene Not bewältigen. Dann trösten. Sie bekamen Modelle der Seelsorge an die Hand. Erneut probten sie das Vorgehen im Gespräch. Sie wollten in Krisen begleiten. Helfen und auferbauen. Zu Entscheidungen wollten sie hinführen. Die Haltungen und Probleme der Ratsuchenden in Analysen spiegeln und empathisch sein. Gespräche an Gott abgeben. Mut machen. Das Volk Gottes soll mündig werden.
Johannes war geschwächt. Zwar konnte er in der Mittagspause etwas liegen, etwas ruhen. Doch der Tag war lang und er war erleichtert, als das Seminar zu Ende ging und er nach der Fahrt dann im Bett lag und nach schweren Wochen, dann doch zufrieden einschlief. Sicherlich zugerüstet und erleichtert.

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