Die Rose von Kairo 2.8

Doch sie zu treffen bringt kurze Linderung für die Qual des Eingesperrtseins, das meinen Seelenzustand wiederspiegelt. Sie weiß nicht, dass sie die Trümmer, die sie schlug, aufrichten will. Was ich will ist tief in ihr. Ich will von Herzen mit ihr sprechen. Das ist was mich an sie bindet. Mein versunkenes Selbst fleht um ihr Wesen, nicht die Rolle, die sie bald perfekt spielen wird. Schuld, die sie verdeckt. Ich weiß, dass sie leidet. An sich selbst, da sie ihr Herz verborgen hält, sie hat es weggeschlossen. Wer hat es in Eisen geschweißt? Jemand errichtete einen Totempfahl darum.

Jetzt streicht sie mir mein Hemd über den Unterarm zur Armbeuge. Jetzt schaut sie mich mitfühlend an und zieht die Spritze auf. Jetzt drückt sie meinen Unterarm und die Luft aus der Kanüle. Jetzt beugt sie sich zu mir herüber und lächelt. Ich recke ihr meinen Arm entgegen. Sie setzt die Spritze an. Dann fließt das Heroin. Jetzt fließt ihr Gift in meinem Körper. Ich sinke in den Stuhl, indem mein Dealer mich verlässt. Mir fallen die Augen zu. Als ich sie wieder öffne  ist sie fortgegangen und ich spüre ihre Berührunge, die sich in meine verklumpten Emotionen eingeätzt haben. Es war nur eine Berührung.

Die Rose von Kairo 2.6

Ich neige nicht zur Idealisierung, denke ich auch jetzt, da ich auf sie warte. Gleich wird sie eintreten und mir gegenüber sitzen. Dann wird sie mir die Brust geben und ich werde ihr Gift trinken, indem ich an ihr festhalte und sie mich nun wohl wirklich liebt. Sie hat diese markante, dünne Nase, die wie geschliffenes Metall zur Spitze zerläuft und ihre seeblauen Augen, die unter dem dunklen Lidschatten  stechend hervorbrechen, mittelt. Ich sitze am Tisch und warte auf ihre Streicheleinheiten. Weil ich an ihrem zähflüssigen Schauspiel klebe und mich nicht befreien kann, warte ich auf sie, weil ich nicht anders kann.
Ich will nicht ihre schlanken, makellosen Beine, nicht den kleinen Pigmentflecken an ihrem Oberschenkel. Ich sehne mich nach ihren Berührungen, wie der Junkie nach Heroin.

…demnächst mehr…

Die Rose von Kairo 2.5

Nicht dass ich zur Idealisierung neige. Vielmehr war ich nicht auf Sybille vorbereitet. Sie kam als eine sanfte Versuchung, als Wolf im Schafspelz und bevor ich mich versah hatte ich diese Würgeschlange am Hals.

Nichts ließ erkennen, dass ein Dämon in ihr war. Erst später nahm ich ihr diabolisches Lachen wahr. Gerade wird mir klar, gerade als ein lachhafter Schaumstoffball von Patient zu Patient geworfen wird, weiß ich wie alles begann und im selben Moment meine Niederlage, meine Zerschlagung besiegelt wurde. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn, als ich erkenne: Sie liebt wie ein Tier.

…demnächst mehr…

Die Rose von Kairo 2.2

Am zweiten Abend nahm ich sie mit zu mir. Ich öffnete das Fenster, so dass würzige Luft den Raum einhüllte. Es war ein sinnlicher Duft. Ich bettete Sybille wie einen Schatz und entzündete Kerzen. Ich ahnte nicht, dass ich mir selbst Opferkerzen entfachte, Grablichter für meinen eigenen stillen Tod.

Sybille roch nicht zart. Sie roch nur kurz ein wenig sinnlich. Dann roch sie nach roher Lust, nach fleischlicher Lust, pornografisch mehr. Ich sog den Duft ein, erregte mich an ihrer hellen Haut. Noch genoss ich die Lust, unser Schmelzen ineinander hinein.

Ich war nicht wirklich gewarnt. Ein wenig von ihrer Kunst zu lügen, die mich am selben Abend befremdet hatte. Ich genoss Sybille als Geschenk, als das sie mich mir anbot. Ich fasste in ihr Haar, sog an ihrer Zunge. Ich genoss sie, da ich nicht wusste dass jede Berührung Gift war. Als ich in sie eindrang geschah es aus Begehren. Doch vielmehr drang sie unter mir in mich ein, indem sie mir ihre Krallen ins Fleisch trieb. Sie verleibte mich sich ein, wie es die Gottesanbeterin mit dem Geschlechtspartner tut. Es war ein kleiner, stiller Tod. Ich wandte mich von ihr, starrte zur Decke, rauchte und sprach nicht. Im Moment des Verschmelzens war ich auf der Strecke geblieben. Wir waren ein Fleisch geworden. Doch die Reaktion unserer Körper zerschlug mich. Ist Sybilles Körper vergiftet.Mein Körper ist es nun und damit meine Seele. Ich bin jetzt Jonas im Bauch des Walfisches, bin verdammt, bin verschlungen.

Was geschah bleibt ein Rätsel, eines, das mich krank macht, denn was blieb war ein blockierter Geist, aufgequollene Lust und eine verkleisterte Seele.
Als sie mich einverleibt hatte, erloschen die Kerzen.

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