Die Rose von Kairo 5.3

Es ist 1990. Die Mauer ist gefallen. Sybille ist eine Ossa, ich Wessi. Es ist ihre Sozialisation die uns unmöglich macht. Die gefallene Mauer steht zwischen uns und wir können sie nicht überwinden. Sybille ist dahinter zu dem erzogen worden, was sie ist: dominant und egozentrisch. Das Gefängnis ist geöffnet. Das Raubtier frei. Sozialdarwinismus  in der Liebe. Sie zerfleischt den Geliebten.
Ich will Harmonie und Geborgenheit. Sie folgt den Wert ihrer Familie: Wir müssen kämpfen. Das ist Kapitalismus. Der Stärkere setzt sich durch. Der Preis ist hoch. Vorallem für mich, der ich ein Opfer auf ihrem Weg bin.

Sybilles bittersüßes Wesen schimmert so bunt, dass ich einhalte. Sie trägt ihr Herz als einen Morgenstern, mit dem sie um sich schlägt.

Die Rose von Kairo 4.3

Wir spielen Spiele. Wir fesseln uns. Der Bann über mir ist Normalität. Jetzt bin ich ihr erlegen. Mit der letzten Frucht unserer Liebe, die ich esse, bin ich ihr restlos verfallen. Warum ich das alles zulasse! Weil ich nicht anders kann, weil ich umherirre und einen Ausweg suche, Heilung für meine Wunden. Ich wehre mich noch immer gegen diese sanfte, klebrige Vereinnahmung durch ihr dominantes Wesen. Augenscheinlich ist unsere Symbiose. Während sie sich zu Anfang als ein Parasit von mir ernährte, sind wir nun in ein Abhängigkeitsverhältnis zusammengewachsen, dem zu entfliehen ich mich sehne.

Ich überlasse ihr alles. Ich kann nicht anders. Ich kann mich nicht gegen die Vollendung Ihres dominanten Liebesbegriffs wehren. Sie will den Geliebten besitzen, mitb ihm eins sein. Wir sind sodannangekommen. Bei einem lasziven Rekeln ihrerseits und meinem Traumwandeln auf den Pfaden ihrer Lockstoffe.

Es ist der Endpunkt. Jetzt lebt sie ihre Dominanz. Sie betört mich und gefällt sich in ihrem Glanz, indem sie sich an ihrem Werk ergötzt. Es ist diabolisch.

Die Rose von Kairo 2.8

Doch sie zu treffen bringt kurze Linderung für die Qual des Eingesperrtseins, das meinen Seelenzustand wiederspiegelt. Sie weiß nicht, dass sie die Trümmer, die sie schlug, aufrichten will. Was ich will ist tief in ihr. Ich will von Herzen mit ihr sprechen. Das ist was mich an sie bindet. Mein versunkenes Selbst fleht um ihr Wesen, nicht die Rolle, die sie bald perfekt spielen wird. Schuld, die sie verdeckt. Ich weiß, dass sie leidet. An sich selbst, da sie ihr Herz verborgen hält, sie hat es weggeschlossen. Wer hat es in Eisen geschweißt? Jemand errichtete einen Totempfahl darum.

Jetzt streicht sie mir mein Hemd über den Unterarm zur Armbeuge. Jetzt schaut sie mich mitfühlend an und zieht die Spritze auf. Jetzt drückt sie meinen Unterarm und die Luft aus der Kanüle. Jetzt beugt sie sich zu mir herüber und lächelt. Ich recke ihr meinen Arm entgegen. Sie setzt die Spritze an. Dann fließt das Heroin. Jetzt fließt ihr Gift in meinem Körper. Ich sinke in den Stuhl, indem mein Dealer mich verlässt. Mir fallen die Augen zu. Als ich sie wieder öffne  ist sie fortgegangen und ich spüre ihre Berührunge, die sich in meine verklumpten Emotionen eingeätzt haben. Es war nur eine Berührung.