Die Rose von Kairo 2.8

Doch sie zu treffen bringt kurze Linderung für die Qual des Eingesperrtseins, das meinen Seelenzustand wiederspiegelt. Sie weiß nicht, dass sie die Trümmer, die sie schlug, aufrichten will. Was ich will ist tief in ihr. Ich will von Herzen mit ihr sprechen. Das ist was mich an sie bindet. Mein versunkenes Selbst fleht um ihr Wesen, nicht die Rolle, die sie bald perfekt spielen wird. Schuld, die sie verdeckt. Ich weiß, dass sie leidet. An sich selbst, da sie ihr Herz verborgen hält, sie hat es weggeschlossen. Wer hat es in Eisen geschweißt? Jemand errichtete einen Totempfahl darum.

Jetzt streicht sie mir mein Hemd über den Unterarm zur Armbeuge. Jetzt schaut sie mich mitfühlend an und zieht die Spritze auf. Jetzt drückt sie meinen Unterarm und die Luft aus der Kanüle. Jetzt beugt sie sich zu mir herüber und lächelt. Ich recke ihr meinen Arm entgegen. Sie setzt die Spritze an. Dann fließt das Heroin. Jetzt fließt ihr Gift in meinem Körper. Ich sinke in den Stuhl, indem mein Dealer mich verlässt. Mir fallen die Augen zu. Als ich sie wieder öffne  ist sie fortgegangen und ich spüre ihre Berührunge, die sich in meine verklumpten Emotionen eingeätzt haben. Es war nur eine Berührung.

Carsten Weigelt’s Die Rose von Kairo 1.3

Meine Seele ist entzündet und längst leide ich unter Sybille. Sie schadet mir. Sie reißt die Wunden tiefer, treibt mich tiefer in die Isolation, weiter in meinen Rückzug. Sie hat sich in mir eingenistet: Ein Parasit, ein Virus, der meine Emotionen befällt und schließlich mein Hirn zersetzt.
Dies sage ich, indem ich sie liebe. Aus Begehren, aus Sehnsucht, tief, blind und gefangen in sie verliebt bin. Dies alles weiß sie nicht. Sie liebt nur und ich reagiere allergisch auf ihre Zärtlichkeit. Der Punkt ist: Ihre Liebe zerstört mich. Ich kann Sybilles Liebe nicht folgen. Ich bin krank. Ich leide.

Sie handelt, als wolle sie mich besitzen, mich ihr einverleiben. Ich habe keine Angst vor Nähe, doch zuletzt will sie mir das Herz herausreißen, um es sich über das Bett zu nageln.

Dabei ist sie süß. Sie ist kokett. Dies sage ich, indem ich mich nach ihr sehne und wie in einem zähen Traum auf sie warte. Auf ihre Berührungen, auf ihren Körper, auf ihre Lippen, die mir die Wunden auslecken, die sie selbst gerissen hat.

Was wird aus mir übrig bleiben, wenn sie ihre Liebe gelebt hat?

Wer heilt mich von ihr? Wer treibt mir diesen Dämon aus? Ich tue ihr unrecht. Sie ist jung und liebt nun leidenschaftlich.

Demnächst mehr…