Die Rose von Kairo 4.5

Dass sie an sich leidet, weiß ich. Ich will ihr helfen, uns helfen, indem ich ihr anbiete, die Abgründe ihres Wesens mit mir zu teilen. Sie würde mich bis zum Tode dafür lieben. Sie könnte sich auf ein Sofa legen . Ich könnte Freud sein, sie frei assoziieren. So sitzt sie hier und weint noch einmal. Doch es berührt mich nicht. Ich habe Distanz. Ich weiß, dass sie leidet. Ich kenne die Diagnose. Sie steht selbst unter einem Bann. Zuletzt sind wir beide Opfer einer bösen Macht, die uns in Gewalt hält. Ist Sybille verhext?

So bin ich gescheitert und wir sitzen bei drum&bass, wie in der Stille. Ich halte sie in den Armen und tröste sie. Ich fahre ihr durch die Haare, den Pagenkopf. Ich trockne ihre Tränen. Wir sitzen bei drum&bass und wir sitzen alleine. Wir sitzen traurig und hören die beats nicht. Ich spüre nur ihr Herz das schlägt. Wir sind beisammen, wie der zahme Löwe und das Lamm. Wir sind beisammen, in einem Moment, indem wir wissen, dass wir lieben und es doch unmöglich ist. Wir sitzen in Sehnsucht nach Liebe. Und es ist doch nicht die Liebe.

Die Rose von Kairo 4.3

Wir spielen Spiele. Wir fesseln uns. Der Bann über mir ist Normalität. Jetzt bin ich ihr erlegen. Mit der letzten Frucht unserer Liebe, die ich esse, bin ich ihr restlos verfallen. Warum ich das alles zulasse! Weil ich nicht anders kann, weil ich umherirre und einen Ausweg suche, Heilung für meine Wunden. Ich wehre mich noch immer gegen diese sanfte, klebrige Vereinnahmung durch ihr dominantes Wesen. Augenscheinlich ist unsere Symbiose. Während sie sich zu Anfang als ein Parasit von mir ernährte, sind wir nun in ein Abhängigkeitsverhältnis zusammengewachsen, dem zu entfliehen ich mich sehne.

Ich überlasse ihr alles. Ich kann nicht anders. Ich kann mich nicht gegen die Vollendung Ihres dominanten Liebesbegriffs wehren. Sie will den Geliebten besitzen, mitb ihm eins sein. Wir sind sodannangekommen. Bei einem lasziven Rekeln ihrerseits und meinem Traumwandeln auf den Pfaden ihrer Lockstoffe.

Es ist der Endpunkt. Jetzt lebt sie ihre Dominanz. Sie betört mich und gefällt sich in ihrem Glanz, indem sie sich an ihrem Werk ergötzt. Es ist diabolisch.

Die Rose von Kairo 4.2

Also wohnen wir zusammen. Das Ungleichgewicht unserer Bindung ist Geborgenheit für uns beide. Der Kranke bleibt krank, die Krankheit die selbe. Die vertraute Geborgenheit ist pervers. Wir sind es. Woran halten wir fest, wenn nicht an unserem Scheitern, von Anfang an. Ich liege unter ihr. Sie steht über mir. Ich bin niedergeschlagen, von ihrer süßen, magischen Präsenz, meine Seele gespart von Boxschlägen.

Dabei bin ich noch immer ohne Augenlicht, blind für die Situation. Es ist eine Tragödie, ein Drama, an dem wir zerbrechen, indem wir uns Wunden reißen.

Ich schleppe mich verwundet durch den Tag und halte mich an ihr. Sie sorgt sich, leidet mit mir und pflegt mich und ihr Gewissen. Ich lasse geschehen was geschieht. Die ungesunde Verbindung wir ungesunder.

Die Rose von Kairo 4.1

Was passiert wenn wir eine Partnerschaft, ein gemeinsames Leben führen, wenn wir zusammen leben? Was passiert wenn wir ein Leib sind, ein vereinigter Leib, dessen Verschmelzung eine Komponente zerfrisst. Sie wird sich nehmen was sie will. Ich werde geben, was ich nicht bewahren kann. Ich werde mit ihr leben. Ich werde an ihr leiden, sie wird sich an mir weiden. Ich werde mich krank pflegen lassen. Es ist eine kranke Obsession. Denn ich schlage mir Wunden, reibe mich an ihr, wenn mich keiner von ihr zerrt. Wenn mich keiner vom Feuer wegzerrt, werde ich daran versengt werden. Ich bin rekonvaleszent. Ich bin zerzaust. Sie quirlt meine psychischen Funktionen. Meine Psyche kann unter ihr nicht gesunden. Auch wenn ich mit meiner Krankenschwester schlafe.

Die Rose von Kairo 3.3

Es ist mein Schwanz der öffnet, nicht ich. Ich hatte nicht die Zeit mich zu befreien. Das war mit Zwangsläufigkeit nicht möglich. Kaum kann ich Schranken errichten, gegen ihre stille Attacke auf mein Herz. Natürlich bin ich blind. Ich bleibe einstweilen blind und empfange Sybille.

Natürlich will ich mit ihr schlafen. Ich sehe ihren Rücken, den sie mir zuwendet. Derselbe Rücken, der sich beim Sex unter mir krümmt. Ich will nicht an Sex denken. Ich will nicht an Sex denken.

Ich schlafe nicht mir ihr: Das habe ich wieder und wieder verinnerlicht. Vielmehr habe ich das verständnislose Wesen vor mir, dem ich noch immer anhafte. Ich habe dies erkannt und ich weiß, dass ich Sybille nicht mehr lieben will, nicht mehr lieben kann.
Mein Herz sagt es mir, meine Vernunft dann auch, mein Wille schließt sich an. Auch mein Mund gehorcht, als ich spreche: Sybille, es ist vorbei.

Es ist ein magisches Rätsel.

Ich ertrage die Wahrheit dieses Momentes nicht. Ich ertrage ihren Schmerz nicht. Ich kann sie nicht verletzt sehen. Ich etrage es nicht, Sybille weinen zu sehen. Ich ertrage es nicht und muss sie in die Arme schließen. Ich muss sie trösten, muss ihr Trost sein. Ich ertrage es nicht. Hiermit beginnt ein neuer Bann, der dem alten folgt. Ich beginne, aufs neue mit ihr zu schlafen. SOmit nimmt die Leidenspassion ihren Lauf.

Die Rose von Kairo 2.8

Doch sie zu treffen bringt kurze Linderung für die Qual des Eingesperrtseins, das meinen Seelenzustand wiederspiegelt. Sie weiß nicht, dass sie die Trümmer, die sie schlug, aufrichten will. Was ich will ist tief in ihr. Ich will von Herzen mit ihr sprechen. Das ist was mich an sie bindet. Mein versunkenes Selbst fleht um ihr Wesen, nicht die Rolle, die sie bald perfekt spielen wird. Schuld, die sie verdeckt. Ich weiß, dass sie leidet. An sich selbst, da sie ihr Herz verborgen hält, sie hat es weggeschlossen. Wer hat es in Eisen geschweißt? Jemand errichtete einen Totempfahl darum.

Jetzt streicht sie mir mein Hemd über den Unterarm zur Armbeuge. Jetzt schaut sie mich mitfühlend an und zieht die Spritze auf. Jetzt drückt sie meinen Unterarm und die Luft aus der Kanüle. Jetzt beugt sie sich zu mir herüber und lächelt. Ich recke ihr meinen Arm entgegen. Sie setzt die Spritze an. Dann fließt das Heroin. Jetzt fließt ihr Gift in meinem Körper. Ich sinke in den Stuhl, indem mein Dealer mich verlässt. Mir fallen die Augen zu. Als ich sie wieder öffne  ist sie fortgegangen und ich spüre ihre Berührunge, die sich in meine verklumpten Emotionen eingeätzt haben. Es war nur eine Berührung.

Die Rose von Kairo 2.7

Ich fühle mich bei ihren Worten unbehaglich, immer wieder, weil ich nicht wahrhaben kann was sie sagt, was sie ist, immer wieder. Ich vergöttere sie, ohne Klarheit: Die Gottesanbeterin, die Peinigerin. Weil ich ihr verfallen bon, ihrer klebrigen Art, die ist wie Werbung. Ihr Auftreten ist das geweckte Bedürfnis, ihre Berührung die Erfüllung des selbigen.

Ich befinde mich in einem Märchen, wie unter Wasser. Ich will sie nur berühren, weil ich mich nach mir zurücksehen, an mich, an das, was ich war bevot ich sie traf. Ich bin wach und doch schlafe ich. Sie weiß nicht, dass ich unter ihr leide. Ihre Leichtigkeit mich weiter in diese dichte Traumsymbolik treibt, weiter mein Unterbewusstsein aufwühlt. Ich träumebei weit aufgerissenen Augen einen Traum, der nicht enden will. Ich wache nicht auf.

Die Rose von Kairo 2.5

Nicht dass ich zur Idealisierung neige. Vielmehr war ich nicht auf Sybille vorbereitet. Sie kam als eine sanfte Versuchung, als Wolf im Schafspelz und bevor ich mich versah hatte ich diese Würgeschlange am Hals.

Nichts ließ erkennen, dass ein Dämon in ihr war. Erst später nahm ich ihr diabolisches Lachen wahr. Gerade wird mir klar, gerade als ein lachhafter Schaumstoffball von Patient zu Patient geworfen wird, weiß ich wie alles begann und im selben Moment meine Niederlage, meine Zerschlagung besiegelt wurde. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn, als ich erkenne: Sie liebt wie ein Tier.

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Die Rose von Kairo 2.4

Längst hat sie mich eingesponnen, wie die Spinne das Insekt, längst hat sie die Mauern meines Selbstes überflutet. Mit Blicken hat sie mich hypnotisiert. Längst sind wir eins geworden. Ein Leib, eine Seele. In dieser Verschmelzung trinkt sie  von mir, nährt sich von mir. Ich bin ihr Opfer. Manchmal weiß ich es, nur kurz, dann wirkt der Bann, den sie über mich gesprochen hat.

Es sei ihr Wesen, es sei ihr Verlangen, ihr Anspruch zu besitzen, es sei eine seltene Art zu lieben, zerstörerisch zu lieben. Am Ende leidet sie an ihrer Destruktivität. Am Ende liebt sie mich noch wirklich.
Doch ihre Liebe ist krank, ich bin es. Was ist kranker: Der Virus oder der Infizierte.

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Die Rose von Kairo 2.3

„Ich will dich fressen“, sagte sie und beschrieb ein Gefühl. Doch es war das, was sie tat. Sie verspeiste mich und zugleich war es, als sei ich in eine Schlangengrube eingedrungen. Vergiftet war ich ab dem Moment, indem ich mich in ihr wand. Es war ein Unglück, dessen Grund ich nicht kenne und nur das Gift selbst. Sie war sich ihrer zerstörerischen Natur kaum bewußt. Alles was wir taten, war zu lieben, ohne zu verstehen.

Ich fragte mich, ob sie mich in dieser Nacht verhexte, eine magische Formel sprach, indem ich in ihr war. Sodann  sprach ich wenig.

Was folgte war, dass sie mich mit ihren Körpersäften nährte und mich an sich band. Mich auffraß und begann zu verdauen. SIe ging an diesem Morgen, ohne sich zu vergewissern, ob es mir gut ginge. Sie ahnte, dass etwas geschehen war.

Ich blieb kraftlos liegen, um Freiheit und Freude gebracht in einem einzigen Sexualakt. Wie erdrückt sprach es in mir, eine Stimme um meine Zerstörung zu verhindern, meine Eingeweide zu behalten und mich aus dem Bann zu lösen.

Ich lag auf dem Bett, nackt, zu Teilen vom Leintuch bedeckt, mit einem Virus geimpft, mit Blindheit der Liebe geschlagen.

Ich bin jetzt schon vom Festhalten an ihr infiziert. An ihrer Person, zu der sie  gemacht werden wollte, zu einer Person, die sie nie war.

Als ich den Traum träumte, sah ich nur das engelhafte Wesen und war fasziniert. Ich sah nur ihr Lächeln, ihren hypnotischen Blick und lächelte verklärt zurück, als sie mir beim Liebesspiel einen Dolch in die Eingeweide rammte. Jetzt ist dieser Engel des Lichts entschlüsselt und ich weiß, dass ich eine Frau liebte, die mich zerstörte.

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